Gemässigt
Station 5: Zwettl an der Rodl
„Nichts steht so im Gegensatz zu einem Christen wie Unmäßigkeit.“ Das lesen wir in der Regel des Hl. Benedikt.
Meditationstext zum Anhören
Meditationstext für den Weg
nach Bad Leonfelden
Wo ist in unserer Welt und in meinem Leben das rechte Maß verloren gegangen?
Was ist mein Auftrag als Christ, die Schöpfung zu bewahren?
Was fällt mir ein, wo Verzicht eine Bereicherung sein kann?
Ein großes Anliegen ist für den Hl. Benedikt das rechte Maß in allem. Jede Zeit neigt zur Maßlosigkeit, auch unsere. Denken wir nur an unsere Beziehung zur Schöpfung. Die Suche nach dem rechten Maß ist ein wichtiger Impuls für uns. Ich beobachte im Weitergehen mein eigenes Tempo. Dabei überlege ich, was und wie viel ich in meinem Rucksack mittrage. Welche Ansprüche habe ich an Wege, Herbergen, Verpflegung? Weiter blicke ich auf die Landschaft, die mich umgibt. Was ist noch ursprüngliche Natur? Was haben Menschen verändert? Diese Fragen bewegen mich.
Die Lichtung an der Rodl, wie sich der Ortsname aus dem Slawischen übersetzen lässt, glänzt bis heute mit besonders schönen Häusern. Seit dem Mittelalter zogen Salz- und Fischhändler durch den Ort Richtung Böhmen. Handwerk und Gastronomie florierten, auch wenn um 1500, als das Marktrecht verliehen wurde, nur 25 Häuser den Markt ausmachten. Fast alle Bürger betrieben aber auch Landwirtschaft, was ihnen die Bezeichnung „Ackerbürger“ eintrug. Ihre schönen mit barockisierten Fassaden verzierten Häuser imponieren bis heute und stehen großteils unter Denkmalschutz. Beispielsweise der Zwettlerhof, früher „Gasthaus zum schwarzen Rössl“, oder das Färberhaus, direkt an der Brücke über die Rodl gelegen. Seine Nutzung erzählt auch ein Stück Wirtschaftsgeschichte. Im 15. Jahrhundert arbeiteten dort die Lederer, Gerber und Färber. Ihnen folgten die Schönfärber und Weber und schließlich hielten um 1800 englische Spinnmaschinen Einzug. Die „Zwettler Baumwoll- und Damisfabrik“ wird Ende der 1870er Jahre eingestellt. Die Rodl führte nicht mehr ausreichend Wasser, die Konkurrenz größerer Fabriken wurde zu drückend. Über alle Geschicke des Ortes wacht der Heilige Johannes von Nepomuk an der Brücke. Er starb einst durch Ertränken, weil er die Beichtgeheimnisse der böhmischen Königin nicht ihrem eifersüchtigen Königsgatten verraten wollte. Unbedingt sehenswert ist auch die Pfarrkirche von Zwettl, ein zweischiffiges Langhaus mit einem spätgotischen Kreuzrippengewölbe, sowie der daneben liegende barocke Pfarrhof. Zwettl hat übrigens mehrere Wilheringer Äbte hervorgebracht. Wer von Geschichte genug hat und Abkühlung sucht, findet sie im Rodlbad.