Was Pilgern besonders macht
Quo Vadis – Pilger:in wohin gehst du?
Pilgern kommt vom lateinischen „peregrinus“, was so viel wie „ein Fremder in der Fremde sein“ oder „den eigenen Acker verlassen und einen fremden betreten“, bedeutet.
Immer mehr Menschen folgen heute der Ursehnsucht ihres Herzens und machen sich auf den Weg, um sich selber zu finden. Es ist ein Unterwegssein mit Körper, Geist und Seele.
Man steigt aus dem Alltag aus … auf der Suche nach neuen inneren und äußeren Wegen.
Ein Anlass bewegt dazu sich aufzumachen, aufzubrechen, loszuziehen, übliches zu verlassen, sich von Gewohntem zu trennen. Es ist ein bewusstes Reflektieren des bisherigen Lebens. Manchmal motiviert dazu eine Veränderung, wie Pensionierung, Jobwechsel, nach langer Krankheit, einer Krise oder Übergang in eine neue Lebensphase. Ebenso auch das Bedürfnis in unserer schnelllebigen Zeit, herauszutreten aus dem Hamsterrad der Anforderungen und Verpflichtungen, „einfach nur zu leben“, die Natur als Kraft-Quelle zu spüren, sich eine Auszeit zu gönnen, Gott zu begegnen.
Pilgern ist gekennzeichnet von einer Struktur. Nach dem Anlass folgt das Aufbrechen, das Unterwegssein, das Ankommen und das gewandelt wieder Daheimsein.
Pilger:innen beschränken sich beim Pilgern meistens auf das Wenige, das Einfache, werfen sozusagen Ballast ab, überlegen dabei auch oft, was sie im Leben so mit sich herumschleppen. Manchmal wird auch die Erfahrung der Entbehrung und der eigenen Grenzen gemacht. Es eröffnet sich ein Blick in die Weite – in die Weite der Landschaft und ein Blick in die Weite der eigenen Möglichkeiten …
Gedanken kommen, gehen, Ideen reifen, wollen neu gelebt werden.
Man trifft Weggefährt:innen, erlebt Gastfreundschaft, das Nehmen und Geben wechseln sich ab. Bei diesem bewussten „Dem Leben entgegen gehen“ erfährt man Achtsamkeit sich selber und der gesamten Schöpfung gegenüber. Plötzlich ist Zeit zum Staunen über die kleinen und doch großen Wunder: Tautropfen auf einem Spinnennetz, das eigene Spiegelbild in einer Wasserpfütze, Schmetterlinge auf Blumen.
Pilger:innen wird dabei bewusst, dass sie eingebunden sind in den Kreislauf der Natur = Frühling, Sommer, Herbst und Winter; Sonnenschein und Nebelerfahrungen, Eiseskälte und behagliche Wärme – wie auch in ihrem Leben.
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„Der längste Weg ist jener zu sich selbst – dorthin wo Gott wohnt“
Christine Dittlbacher MAS