Mein Weg von Wilhering nach Eidenberg

Mir gefällt beim neuen Wilheringer Weg die Etappe von Wilhering weg, ganz besonders gut. Schon der Anfang der Pilgerschaft, unter den Schwingen des Schutzengels zu stehen, zeigt für mich ein wesentliches Merkmal des Pilgerns: wir sind begleitet! In diesem Geist wandere ich zur Drahtrseilbrücke und oft ist Geduld gefordert, wenn es auf die Fähre zu warten heißt. Ich werde dann darauf hingewiesen, dass pilgern auch viel mit Entschleunigung und „runter vom Gas“ zu tun hat. Nach der Überquerung des Stromes wartet der Treppelweg auf mich, mit vielen Blicken auf den Fluss, der für mich mit seinen Wassermassen die Urkraft der Natur symbolisiert. 

Wenn ich dann nach Puchenau durch die Au gehe, erinnere ich mich an meinen ersten Jakobsweg, wo ich vor der Pilgerschaft einen Donaustein aufgesammelt und beschriftet habe und diesen Stein 600 km bis zum Cruce de Ferro getragen habe, um ihn dort, als Symbol des Abschlusses der Reflexion meines Lebens, zu den tausenden Steinen anderer Pilger vor mir, zu legen. Auch heute noch nehme ich ab und zu einen Stein auf, als Zeichen manch düsterer Gedanken und trage ihn mit mir. Manchmal gelingt es mir, dass ich diese Gedanken in Zuversicht wandle und ich den Stein oben am Koglerauer Spitz ablegen kann.

Jetzt kommt der Teil des Weges, der ununterbrochen bergauf führt. Ich mag diesen Wegabschnitt, fordert er ja den ganzen Menschen. Wenn der Körper so richtig gefordert wird, passiert auch viel mit dem Geist und ich merke, wie Gedanken kommen und gehen, Herausforderungen bedacht werden und Vergangenes reflektiert sowie künftiges in Bildern entsteht. Gute, manchmal heilende Gedanken, die durch die Impulse am Weg, oft eine überraschende Perspektive bekommen.

Für mein Gesamterlebnis Pilgern ist aber auch die Natur, die Aus- und Ansichten auf diesem Weg von großer Wichtigkeit, und diese werden reichlich geboten. Ein Pilgerweg ist für mich immer Abbild meines Lebens. Traumhafte Waldwege und fade, anstrengende Straßenhatscher gehören einfach dazu, wie unsere eigenen Hoch und Tiefs im Leben, nicht auszudenken, wenn unser Leben nur Schönes oder Trauriges für uns bereit hätte. Die Annahme dieser Dualität in unserem Dasein hilft mir, Krisen zu überstehen und innere Balance zu finden.

Die Menschen am Weg, die mir einen Gruß, ein paar Worte oder ein Lächeln schenken sind für mich Highlights am Weg. Das inspiriert mich und macht meinen Schritt leichter.

Mit diesen vielen Eindrücken komme ich zu meinem Tagesziel nach Eidenberg. Gereift heißt hier der Impuls in der Kirche und weckt in mir weitere Überlegungen. Mit jedem Pilgerweg reifen wir ein klein wenig wohl wissend, dass nach jedem scheinbaren Erreichen des Zieles ein neuer Aufbruch gefordert ist.

Wolfgang Haderer