Gefüllt
Station 13 Gramastetten
„Das Rohr nimmt fast zur gleichen Zeit auf und ergießt wieder, was es aufgenommen hat; die Schale aber wartet, bis sie voll ist, und gibt so, was überfließt, ohne eigenen Verlust weiter.“ Der hl. Bernhard über die Fülle des Lebens.
Meditationstext zum Anhören
Meditationstext für den Weg
nach Ottensheim
Was erfüllt mich in meinem Leben bis zum Rand?
Hat der Glaube für meinen Alltag eine Bedeutung?
Kann ich aufnehmen und weitergeben?
Bernhard von Clairvaux weiß, dass man nur das geben kann, was man zuvor empfangen hat. Mit seinem Bild von „Schale“ und „Rohr“ macht er deutlich, dass es im Christsein immer zuerst um ein Erfülltwerden von der Liebe Gottes geht, die wir dann an andere weitergeben. Ich forme meine Hände zu einer Schale und schöpfe in der Rodl oder beim Gramastettener Waldbad Wasser in sie. Dabei lasse ich das Bild von Schale, Rohr und die folgenden Fragen in mich wirken.
Vinzenz Kriechmayr, der schnelle Schifahrer, und Gramastettner Krapferl gehören zum Ort wie die spätgotische Kirche und der Abt von Wilhering als Pfarrer. Schon in der Jungsteinzeit haben auf der Anhöhe über der Rodlschlucht erste Menschen gesiedelt. Im 12. Jahrhundert wurde den Wilheringern das Gebiet zu eigen. 1518 wurde der Ort zum Markt erhoben, nachdem „uns unsere Holden und Getreuen unseres Dorfes Gramastetten demütiglich gebeten haben“, wie es in der Stiftungsurkunde von Kaiser Maximilian I. heißt. Einem Siedler „Grimhard“ verdankt der Markt seinen Namen. Seinen guten Ruf hat sich der Handels- und Gewerbeort aber selbst erworben. Im 15. Jahrhundert wurde eine spätgotische, dem hl. Laurentius geweihte Kirche erbaut, die Zwiebelhaube am Turm ist allerdings spätbarock. Etwas außerhalb des Gemeindekerns wurde im 19. Jahrhundert am gegenüberliegenden Hügel ein Kreuzweg mit einer weithin sichtbaren Kalvarienbergkirche errichtet. Auf der „Kirchleitn“ führt hinter der Pfarrkirche die „Jahresstiege“ mit 365 Stufen hinunter zur Rodl. Der Gramastettner Bader und spätere Gemeindearzt Alois Peither verfolgte damit im 19. Jahrhundert ein großes Sozialprojekt. Der steile Hang sollte terrassiert werden und so den Armen des Ortes Arbeit und Plantagen für die Lebensmittelproduktion geben. In die Chronik eingegangen ist auch Pfarrer Konrad Just. Er galt ob seiner Predigten als „Don Camillo“ des Mühlviertels. Für seine freie Rede sperrten ihn die Nazis ins KZ. Abkühlung findet man an heißen Sommertagen im Rodlbad, und wer Ruinen gerne hat – die Burg Lichtenhag erfüllt auch diesen Wunsch.