Gegeben
Station 11: Oberneukirchen
„Der Mensch möge sich zugestehen, soviel er will, solange er nur daran denkt, dass gerechterweise auch dem Nächsten ebenso viel gewährt werden soll.“ Das formuliert der hl. Bernhard als Gebot.
Meditationstext zum Anhören
Meditationstext für den Weg
nach Neußerling
Was teile ich mit anderen Menschen?
Wie könnte ich von meinem „Überfluss“ abgeben?
Wer braucht meine Hilfe?
Eine Geschichte der chassidischen Juden, die uns der Philosoph Martin Buber überliefert hat, erzählt Folgendes: Ein alter Rabbi fragte einst seine Schüler, wie man die Stunde bestimmt, in der die Nacht endet und der Tag beginnt. „Ist es, wenn man von weitem einen Hund von einem Schaf unterscheiden kann?“, fragte einer seiner Schüler. „Nein“, sagte der Rabbi. „Ist es, wenn man einen Apfelbaum von einer Birke unterscheiden kann?“, fragte ein anderer. „Nein“, sagte der Rabbi. „Aber, wann ist es denn?“, fragten die Schüler. „Es ist dann, wenn du in das Gesicht irgendeines Menschen blicken kannst und darin deine Schwester oder deinen Bruder siehst. Bis dahin ist die Nacht noch bei uns.“
Hoch über der Nebelgrenze gelegen, kann Oberneukirchen auf eine fast 500jährige Geschichte als Marktgemeinde verweisen. Bereits 1242 schenkte Friedrich der Streitbare die Großpfarre Gramastetten dem Stift Wilhering. Aus dieser frühen Zeit datieren erste Kapellen im Ort. 1595 wurde die Pfarre selbstständig. Die aktuelle, dem heiligen Jakobus geweihte Kirche ist neugotisch ausgestaltet. Dennoch finden sich noch Fresken aus dem 15. Jahrhundert, der Bauzeit des von Kreuzrippen geschmückten Langschiffs. Nebenan erinnert das „Schnopfenhagen-Museum“ an Hans Schnopfhagen. Dieser Sohn der Heimat, ein Lehrer und Komponist, vertonte das „Hoamatland“, das nach einem Text von Franz Stelzhamer bis heute Landeshymne ist. Als Zentrum der Leinen- und Webereiproduktion war Oberneukirchen lange wirtschaftliches Zentrum der Region. Vom früheren Wohlstand sind noch einige Bürgerhäuser erhalten. Mehrere Brände und marodierende französische Truppen haben allerdings im 19. Jahrhundert viel Substanz vernichtet. Im „Kronet“ bei Waxenberg, das als Gemeinde zu Oberneukirchen gehört, gibt es die „Teufelskanzel“. Diese Gesteinsformation, die an das Hinterteil des Satans erinnern soll, entstand der Sage zufolge, weil dieser den Bau der Kirche in Oberneukirchen verhindern wollte. Was die Handwerker tagsüber aufgebaut hatten, verschleppte er nächtens in die umliegenden Wälder. Aber auch Teufel werden müde und so rastete er auf diesem Stein. In der Burgruine Lobenstein, zwischen Oberneukirchen und Zwettl gelegen, wurde übrigens 1920 der „Schlossmichl“ ermordet. Abgesehen davon, geht es in Oberneukirchen friedlich zu.