Mein Weg durch Landschaft, Kultur und Begegnungen

Ich bin alle Etappe/n des Wilheringer Pilgerweges gepilgert.

Meine persönlichen Eindrücke von der Wegstrecke und der Landschaft am Wilheringer Pilgerweg:
Sehr beeindruckt hat mich auf der gesamten Wegstrecke die Vielfalt der urwüchsigen Landschaften, das imposante Donaubett, die grandiosen Aussichten hinunter ins Donautal und später über Hügel und Täler bis ins Alpenvorland. Ebenso die vielen Kulturstätten wie Kapellen, Bildstöcke, Kirchen, Denkmäler, Gedenkstätten und neuere Angebote wie Bienenerlebnisweg in Zwettl und eine Lebzelterei, die Jahreszeitenstiege in Gramastetten, Museen, alte und neue handwerkliche Betriebe zum Besichtigen wie die Leinenfärberei in Bad Leonfelden, bis zum Nachtwächter dort.
Die erste Etappe verlangt etwas Kondition von Puchenau hinauf nach Eidenberg. Dann geht es wohl bergauf und bergab, aber gemächlicher weiter. Gepflegte Orte und Städte säumen den Pilgerweg und die Gastfreundschaft erlebte ich recht wohltuend, besonders an einem Regentag.
Die lange Ebene von Rading weg an der Grenze Österreich / Tschechien mit der Schwedenschanze als kulturelle Gedenkstätte, nach Hohenfurth / Vyssi Brod empfand ich im „so dahingehen“ sehr meditativ und sie ladet zum Nachsinnen und zur Entspannung ein. Die weitläufige Klosteranlage von Hohenfurth / Vyssi Brod und der darauffolgende Abtweg zur Kirche „Maria Rast am Stein“ durch eine wild anmutende Schlucht erinnern an die lange religiöse Geschichte dieser Gegend. 
Anregendes Kulturland, mit fruchtbaren Feldern, vielen Wäldern mit uralten Bäumen, Bauernhöfen zum Teil noch in Steinblossbau, Häusern mit liebevoll gepflegten Gärten begleiteten mich und brachten mich zum Staunen.

Eine persönliche Erfahrung, die ich teilen möchte: 
Als ich am Wilheringer Pilgerweg unterwegs war trug ich eine Entscheidung mit mir, die ich treffen wollte. Durch die Eindrücke der mühlviertler Landschaft, bergauf und bergab, das Dickicht der Wälder, die freien Wiesen mit Ausblicken, manchmal monotones Grün, dann eine bezaubernde Buntheit, habe ich mein Anliegen durchgeackert, manches verdaut, mich auch von einigen Vorstellungen getrennt und neue Möglichkeiten entdeckt. 
Aus dem anfänglichen „entweder oder“ wurde ein „sowohl als auch“.

Begegnungen, von denen ich berichte:
Unterwegs blieb ich an einem besonders artenvielfältigen gepflegten Bauerngarten stehen und ließ meine Augen über die prächtigen Farben der vielen Blumen gleiten - da erschien die „Altaltbäurin“, wie sie mir erklärte (94 Jahre alt), die ihn pflegte. Sie erzählte mir von früher, ihrer Kindheit und Jugend, dem Wiederaufbau nach dem letzten Weltkrieg und der Besatzungszeit. Sie strahlte als sie mir schilderte wie es war als sie die erste Waschmaschine am Hof bekamen. Dabei wirkte die Frau sehr dankbar und zufrieden, dass letztendlich alles wieder gut geworden ist. Mir wurde bei ihren Schilderungen und beim Anblick ihrer von harter Arbeit gezeichneten Hände mit einem unbeschreiblichen Dankbarkeitsgefühl bewusst, in welchem Luxus ich heute lebe in Frieden und Freiheit und Selbstbestimmung. Zum Abschied gab es noch ein Schnapserl von dem sie auch mit einem Augenzwinkern einen kräftigen Schluck nahm.

Tipps, die ich weitergeben möchte:
Genügend Proviant mitnehmen, da es unterwegs nicht in allen Orten Einkaufsmöglichkeiten gibt.
Übernachtungen im Vorhinein buchen, besonders wenn man mit mehreren Personen unterwegs ist.
Besonderer Tipp: Lass dich von der Landschaft und Kultur am Wilheringer Pilgerweg beschenken, sie wirkt und bewirkt!
 

Christine D.